Dr. Christina Weiss

Patin des Konzertabends mit dem Beethoven-Akademie-Orchester (Polen) am 4. August 2007

Soll die Türkei Mitglied der Europäischen Union werden? Eines Tages vielleicht sogar Russland? Fragen, die Politiker, aber auch die „Vordenker“ Europas seit Jahren bewegen. Sind die Grenzen Europas geografisch definiert? Strategisch? Oder christlich-religiös? Eine der spannendsten Überlegungen zu diesem Thema stammt von Christina Weiss: Europa höre dort auf, „wo die Grenzen unserer gemeinsamen geschichtlichen Erfahrungen verlaufen“, sagte sie 2004. Damals war sie Staatsministerin für Kultur und beklagte bei einem Kongress mit dem schönen Titel „Eurovisionen – vom kulturellen Netzwerk zur Politik“: „Unsere Nachbarn sind uns unbekannt geworden... Wir wissen zu wenig über sie; wir sprechen ihre Sprachen nicht“. Das war kurz vor der so genannten „Osterweiterung“. Inzwischen sind die Polen und Ungarn, die Tschechen, Slowaken, Letten oder Litauer längst vollwertige, erfolgreiche und keineswegs immer bequeme Mitglieder der Europäischen Union geworden. Das gilt nicht zuletzt für die Polen, die der deutschen Bundeskanzlerin beim letzten EU-Gipfel das Leben schwer genug gemacht haben. Nicht immer mit den besten Argumenten, aber mit gutem Recht. Denn dass sie nach Europa gehören, nein: ein europäisches Kernland sind, daran kann niemand zweifeln – gerade angesichts „unserer gemeinsamen geschichtlichen Erfahrungen“... Wir sind sehr froh darüber, dass gerade Christina Weiss heute als Patin die jungen Musiker vom „Beethoven-Akademie-Orchester“ begrüßen und gewiss die richtigen Worte zum wichtigen deutsch-polnischen Verhältnis finden wird.

Dr. Christina Weiss
Publizistin, Kulturstaatsministerin a.D.