Janusz Reiter

Pate des Konzertabends mit der Jungen Deutsch-Polnischen Philharmonie (Deutschland - Polen) am 15. August 2005

1990, als Mauer und Stacheldraht gefallen waren und Polen sich aus dem zerfallenden Kreml-Imperium gelöst hatte, da schickte die Regierung in Warschau Janusz Reiter als Botschafter nach Deutschland. Einen 38-Jährigen? Keinen gelernten Diplomaten? Auf einen so wichtigen Posten? Es gab solche Zweifel. Doch Kenner der Szene waren sich gleich sicher: Ein Glücksgriff!
Janusz Reiter hatte Germanistik, Philosophie und Soziologie studiert, war Redakteur in der Auslandsredaktion der Tageszeitung „Zycie Warszawy“ gewesen, wurde nach Verhängung des Kriegsrechts entlassen und arbeitete dann – auf der Seite der „Solidarnosc“ – für mehrere, zum Teil von ihm selbst gegründete Zeitschriften. Ein entschiedener Demokrat, ein Kenner Deutschlands – als Botschafter gelang es ihm glänzend, in Politik und Wirtschaft gute Freunde für sein Land zu gewinnen. Für seine Verdienste um die deutsch-polnischen Beziehungen erhielt er 1995, zum Abschied aus Bonn, das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband verliehen. 1996 gründete er, zurück in der Heimat, das Zentrum für Internationale Beziehungen (CSM), dessen Präsident er noch heute ist. Als Wissenschaftler, Journalist und Kolumnist (in Polen wie in Deutschland) wirbt er weiterhin unermüdlich für ein gut nachbarliches Verhältnis und „Wege nach Europa“ (so der Titel eines seiner Bücher).