Julian Nida-Rümelin
Julian Nida-Rümelin ist seit Januar letzten Jahres Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien. Vorher war er städtischer Kulturreferent in München; doch als Politiker
enden will er nicht. Der "in der Wolle gefärbte Humanist", aufgewachsen in einem Bogenhausener Künstlerhaushalt, bedauert es von Herzen, dass Politik heute fast nur noch von Berufspolitikern gemacht wird; er fühlt sich eher
dem Typus des Bürgers verpflichtet, der sich auf Zeit in die Dienste der "res publica" stellt - irgendwann will der Göttinger Philosophie-Professor also wieder voll in seinem eigentlichen Beruf tätig sein. Die Irrationalität
des Politiker-Daseins sieht er darin, dass man viel zu viele Erwartungen, die an einen herangetragen würden, zu erfüllen versuchen müsse und dann - trotz einer 70- bis 90-Stunden-Woche - nicht mehr zu der konzentrierten
Arbeit finde, die allein qualifizierte Entscheidungen ermöglicht. Wenn er "König von Deutschland" wäre, würde er als erstes die "Hintergrundmusik aus Lautsprechern in Kaufhäusern und U-Bahnen verbieten". Und bei
"Klassik-Softversionen" stellt er sofort das Radio ab. Da die Musik bei "Young Euro Classic" im Vordergrund gespielt wird und alles andere als "soft" ist, steht einem genussvollen Abend nichts im Wege...

