Hans-Ulrich Jörges

Pate des Konzertabends mit dem Symphonieorchester des Konservatoriums Shanghai (China) am 12. August 2006

Der Mann steht für die vielleicht spitzeste Feder der Republik. In seiner wöchentlichen Kolumne „Zwischenruf aus Berlin“ löckt der Berliner Büroleiter und Stellvertretende Chefredakteur des Stern gern so gnadenlos wider den Stachel, dass die politische Klasse und auch manche Kollegen schwer durchatmen. So erklärte Jörges vor kurzem „Der Kommunismus siegt!“ – und begründete das mit Hartz IV: Statt zu „fördern und fordern“, wie Rot-Grün und auch die Große Koalition das angekündigt hatten, alimentiere der Staat mit dieser Arbeitsmarkt-Reform ein Leben ohne Arbeit – wie im Kommunismus... Im Wahlkampf trat der früher oft als links apostrophierte Journalist vehement für Angela Merkel ein – und favorisierte lange eine Große Koalition. Doch als sie sich anbahnte, stand er schon wieder auf der anderen Seite: Da sinke der eine dem anderen „ausgezehrt in die Arme. Statt Tempo und Wucht für Veränderungen des in Machtkartellen erstarrten Lands verspricht sie heute Vernebelung und Verwirrung.“ Das schrieb Jörges keineswegs nach der Verabschiedung der Gesundheitsreform vor ein paar Wochen, sondern schon vor einem Jahr, im August 2005. Er provoziert gern – aber das heißt noch lange nicht, dass er Unrecht hätte...

Hans-Ulrich Jörges
Stellvertretender Chefredakteur, Berliner Büroleiter des Stern